Seeadler auf Gänsejagd: Nördlich des kanalisierten Axtbaches liegt eine ca. 1km² große Ackerfläche, deren bachseitige Fläche eine Feldgrasfläche ist, auf der z.Z. noch eine 250 m² große wassergefüllte Senke besteht. Der angrenzende, höhere Bereich wird seit Jahren als Maisacker genutzt, wie das Umfeld auch. Der Umstand, dass keine Wege in das Gebiet führen und die meist monatelang bestehende Wasserfläche, sorgen dafür, dass hier im Winterhalbjahr diverse Gänsearten (in Summe 30-250 Ind.) ihren Nahrungs- & Ruhebereich haben und auch Kiebitze, Silber- & Graureiher sowie zur Brutzeit ein Rohrweihenpaar in einer kleinen Schilffläche zu sehen sind. Ein Blick über diese Fläche lohnt sich somit meistens – und doch gab es heute eine Überraschung. Bei meiner Ankunft herrschte Aufregung. Das Dutzend brütende Kiebitze war in der Luft, dazu fast alle der 16 Graugänse und 1 Graureiher aufmerksam mit vorgerecktem Hals fliegend, zusammen mit einem der Weißstörche des 2 km entfernten Horstes. Darüber kreisten das ansässige Rohrweihenpaar, 2 Rotmilane sowie 3 Mäusebussarde. War diese ungewöhnliche Greifvogelversammlung der Aufreger? Nein, denn die Erklärung kam hinter dem angrenzenden Feldgehölz hervorgeschossen, auf eine der beiden Rostgänse an der Blänke zu. Ein adulter, voll ausgefärbter Seeadler – hier mitten in der ausgeräumten Agrarlandschaft, fern aller Brutreviere. Es folgte eine rasante Verfolgung im Bogen über das Gebiet über ca. 2 km, bis es der schnelleren Rostgans gelang den Seeadler zwischen einer Gehölzgruppe abzuschütteln. Der Seeadler nahm übergangslos einer der sitzenden 4 Nilgänse auf der Fläche ins Visier und es folgte eine minutenlange Verfolgung in mehreren Runden von etwa 1 km Durchmesser über dem Gebiet. Die Nilgans konnte offensichtlich nicht schneller fliegen als der Seeadler und musste durch Wendigkeit mehreren Zugriffsversuchen entgehen, unternahm aber überraschenderweise kein Versuch zwischen/in die Gehölze zu entkommen oder in den „Erlentunnel“ des Axtbaches oder tauchend im Bach selber (auf Gewässern öfter zu sehen) zu entkommen. Letztendlich gelang dem Seeadler die sichtlich ermüdete Nilgans in der Luft von hinten zu greifen. Interessant war auch, dass das Nilganspaar mit seinen kleinen Jungen an der völlig offenen Blänke und neben der attackierten Rostgans gänzlich unbeachtet blieb. Bemerkenswert war zudem, wer sich während der Seeadlerattacke ruhig und wenig beeindruckt verhielt. Die anwesenden Kanadagänse schauten nur bei nahen Überflügen auf und grasten ansonsten weiter, die vorher verfolgte Rostgans setzte sich wieder an die Blänke, ebenso der Graureiher, die Graugänse und Kiebitze. Die verbliebenen Greifvögel und der Weißstorch blieben in der Luft über dem Geschehen. Eine spannende Viertelstunde!
Michael Pieper

























